28. März 2022

Wie oft haben Sie heute das Fragezeichen genutzt?

Von den vier Qualitätsstufen der Kommunikation

Im Gegensatz zur Komik ist in der Arbeitswelt schlechte Kommunikation meist wenig witzig. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begegnen da häufig dem Monolog: Führungskräften, die sich am liebsten selbst zuhören. Oder anders: Menschen, die Downloading betreiben.

Text & Bild | Nadi­ne Tho­mas

 

Kaum jemand por­trä­tiert miss­glü­cke Kom­mu­ni­ka­ti­on so gut wie Lori­ot, oder?

„Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­stör­te inter­es­sie­ren mich am aller­meis­ten. Alles, was ich als komisch emp­fin­de, ent­steht aus der zer­brö­sel­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on, aus dem Anein­an­der-vor­bei-Reden.“ (1988)

In der Arbeits­welt ist schlech­te Kom­mu­ni­ka­ti­on für die Betei­lig­ten oft wenig wit­zig. Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern begeg­nen da häu­fig dem Mono­log: Füh­rungs­kräf­ten, die sich am liebs­ten selbst zuhö­ren. Oder anders: Men­schen, die Down­loading betrei­ben.

Das Ziel beim Down­loading ist nicht der Aus­tausch wich­ti­ger Ideen, Infor­ma­tio­nen oder die Co-Krea­ti­on. Nein, in der Regel besteht beim Sen­der gar kein Inter­es­se ande­re Stim­men zu hören, son­dern ledig­lich das Bedürf­nis an der Selbst­be­stä­ti­gung und dem „Abla­den des einem selbst Bekann­ten“. Wenn wir mono­lo­gi­sie­ren, bestä­ti­gen wir uns selbst, was wir schon wis­sen. Wir neh­men kei­nen Kon­takt zu unse­rem Gegen­über auf und durch die­se Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on ent­steht nichts Neu­es.

Nach Otto Schar­mer (2020) ist das Down­loading die nied­rigs­te Stu­fe des Zuhö­rens und der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Lei­der ist sie weit ver­brei­tet, ins­be­son­de­re auf höhe­rer Füh­rungs­ebe­ne. Fal­len Ihnen Per­so­nen ein, die die­ses Down­loading prak­ti­zie­ren und mit jedem neu­en Gespräch per­fek­tio­nie­ren?

Mit unse­rem Gegen­über ernst­haft „in Kon­takt“ tre­ten wir frü­hes­tens mit der Debat­te. Zumin­dest sind wir in die­ser zwei­ten Stu­fe in der Lage, ande­re Mei­nun­gen, Stand­punk­te und Fak­ten zu hören. In die­sem Modus tun wir zwar wider­le­gen­de Infor­ma­tio­nen bemer­ken. Als Reak­ti­on geht es dabei jedoch ledig­lich um das Aus­drü­cken und Ver­tei­di­gen der eige­nen Hal­tun­gen. Das Ziel, gegen­sei­tig etwas dazu zu ler­nen, besteht nicht. Belieb­tes Satz­zei­chen der Debat­te ist das Aus­ru­fe­zei­chen.

Span­nen­der wird es beim Dia­log, der drit­ten Stu­fe. Tre­te ich in einen empa­thi­schen Dia­log, bin ich bereit mei­ner Gesprächs­part­ne­rin auf­merk­sam und aktiv zuzu­hö­ren. Durch Neu­gier­de geweckt, wer­den offe­ne Fra­gen gestellt. Man erkun­digt sich nach den unter­schied­li­chen Stand­punk­ten, um etwas dazu­zu­ler­nen. Beim Dia­log sind wir dazu bereit, mit den Augen der Ande­ren zu sehen. Die­se füh­len sich gehört und wahr­ge­nom­men.

Die höchs­te Stu­fe der Kom­mu­ni­ka­ti­on ist jedoch das Pre­sen­cing. Schar­mer beschreibt es als den „schöp­fe­ri­schen Dia­log“ oder als „ermög­li­chen­des Zuhö­ren“. Der Begriff selbst ist eine Kom­bi­na­ti­on aus „sen­sing“ (erspü­ren) und „pre­sence“ (Gegen­wart).

Wenn Sie die­se Stu­fe beherr­schen, ken­nen Sie das Flie­ßen der Kom­mu­ni­ka­ti­on, das „gemein­sa­me Rin­gen um die bes­te Lösung“, den Zustand der Emer­genz und den Moment, wenn im Gespräch etwas Neu­es ent­steht. In die­ser Stu­fe schau­en wir gemein­sam auf den Gegen­stand unse­rer Kom­mu­ni­ka­ti­on und es spielt kei­ne Rol­le, wer was sagt – son­dern nur, ob wir uns in der Sache wei­ter­brin­gen. Hier kom­men wir von einem reak­ti­ven in einen co-krea­ti­ven Modus.

„Wie die Kom­mu­ni­ka­ti­on gestal­tet wird, bestimmt die Klug­heit und Qua­li­tät eines Unter­neh­mens“ (Dom­ke & Gra­ni­ca, 2019).

Das Pre­sen­cing, wie auch der Dia­log, pas­sie­ren nicht von allei­ne, sie müs­sen geübt und geför­dert wer­den – mit­un­ter eine der wich­ti­gen Auf­ga­ben guter Füh­rung. Gute Kom­mu­ni­ka­ti­on soll­te das Herz­stück jeder Zusam­men­ar­beit sein. Denn, wo bit­te­schön steckt im Wis­sens­zeit­al­ter die Intel­li­genz einer Unter­neh­mung?

Das Wis­sen hilft nichts, wenn wir es nicht aus den Köp­fen raus­krie­gen. Dabei kön­nen, neben auf­rich­ti­gem Inter­es­se, gute Fra­gen hel­fen. Und davon gibt es vie­le, vie­le, vie­le! Sie unter­schei­den sich dar­in, ob sie zurück­grei­fen, nach vor­ne arbei­ten, in die Tie­fe gehen, Fan­ta­sie anre­gen oder auf den Punkt brin­gen sol­len. Gan­ze Bücher wur­den dar­über geschrie­ben.

Um Ihnen einen mei­ner Lieb­lin­ge zu nen­nen, Ach­tung: „Inwie­fern?“. Und Lori­ot dann so: „Ach, was!“.

Was ist Ihre Lieb­lings­fra­ge?​

 

Quel­len­an­ga­ben:

Dom­ke, U. & Gra­ni­ca, J. M. (2019). Mutig füh­ren. Stutt­gart: Schäf­fer-Poeschel Ver­lag.

Lori­ot (1988). Der Faun und sein Wunsch­traum. Inter­view in Der Spie­gel, 10. Zugriff am 28.03.2022 unter https://www.spiegel.de/kultur/der-faun-und-sein-wunschtraum-a-394c9e91-0002–0001-0000–000013526919

Schar­mer, C. O. (2020). Theo­rie U – Von der Zukunft her füh­ren. Hei­del­berg: Carl-Auer Ver­lag.