26. August 2022

Anleitung zu unglücklichen Mitarbeitenden

Für Chefinnen und Chefs, die ihre Aufgabe richtig, richtig gut machen wollen

Eigentlich bin ich Fan davon, Lösungen anzubieten und nicht den Status Quo zu zelebrieren. Manchmal läuft man damit aber gegen Wände. Da hilft dann nur den Spiegel vorhalten.

Text & Bild | Nadi­ne Tho­mas

Für Che­fin­nen und Chefs, die ihre Auf­ga­be rich­tig, rich­tig gut machen wol­len. Die Anlei­tung nicht zu befol­gen, ist der ers­te Schritt.

Du bist der Beste

Du bist der Bes­te, das müs­sen alle Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter wis­sen. Als Kopf der Orga­ni­sa­ti­on oder im Lead für das Team, weißt du natür­lich alles bes­ser. Ermög­li­che dei­nen Mit­ar­bei­ten­den kein Kom­pe­tenz­erle­ben. Soll­ten sie ein­mal gute Leis­tung erbrin­gen, erken­ne sie als sol­che nicht an. Gute Leis­tung, die kommt nur von dir! Schaue, dass sie dir nicht über den Kopf wach­sen, das könn­te dir gefähr­lich wer­den und viel wich­ti­ger: Dafür wer­den sie schließ­lich nicht bezahlt.

Um dich herum nur Idiotinnen und Idioten

Behal­te den Über­blick, denn nie­mand weiß so gut Bescheid, wie du. Lass das dei­ne Mit­ar­bei­ten­de jeder­zeit spü­ren. Sie nach ihrer Per­spek­ti­ve, Exper­ti­se und um Rat fra­gen? Über­flüs­sig. Was kön­nen sie dir schon Neu­es sagen? Was könn­ten sie Wert­vol­les mit ein­brin­gen? Ver­geu­de dei­ne Zeit nicht mit Idio­tin­nen und Idio­ten. Tref­fe dei­ne Ent­schei­dun­gen immer allei­ne. Immer. Nur so kannst du zu rich­tig guten Ent­schei­dun­gen kom­men. Falls du trotz­dem mal eine Idee von dei­nen Mit­ar­bei­ten­den klaust, ver­pa­cke sie als dei­ne eige­ne und lass die Quel­le dei­ner Inspi­ra­ti­on bes­ser nie­man­den wis­sen.

Sei hart und standhaft und dir selbst treu

Du bist die gebo­re­ne Füh­rungs­kraft. Kei­ne Fra­ge! Wei­ter­bil­dun­gen oder einen Blick über den Tel­ler­rand? Das brauchst du nicht. Blei­be stand­haft und dir selbst treu. Das ist in die­sen kom­ple­xen Zei­ten, in denen alles im Wan­del und Umbruch ist, das Bes­te. Wirk­lich.

Investitionen ins Team? Überflüssig

Kom­pe­ten­zen las­sen sich nicht ent­wi­ckeln, Know-How nicht erler­nen und Men­schen sich nicht ver­än­dern. In ihre Ent­wick­lung Geld zu inves­tie­ren, ist sinn­los. Viel­mehr hilft es, sich über schlech­te Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter zu beschwe­ren. Per­ma­nent! Das ist die wir­kungs­volls­te Metho­de. Sie macht am Ende den ech­ten Unter­schied.

Behalte die Kontrolle und konzentriere dich auf die Fehler – der Anderen

Nut­ze Mikro­ma­nage­ment als dei­ne Waf­fe. Küm­me­re dich um Details, selbst um die, die nicht zu dei­nem Auf­ga­ben­be­reich gehö­ren. Du musst die Kon­trol­le behal­ten. Mache dir selbst Recht­schreib­feh­ler in den E‑Mails dei­ner Mit­ar­bei­ten­den zum Feind. Das för­dert die Unsi­cher­heit dei­ner Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter und die­se ist wich­tig. Selbst­stän­di­ge Mit­ar­bei­ten­de sind schwer zu hän­deln. Sie kos­ten Zeit, Ener­gie und Ner­ven. Außer­dem: Wo kämen wir hin, wenn alle schrei­ben, wie sie wol­len?

Wutausbrüche helfen dir weiter

Star­ke Emo­tio­nen gehö­ren zu einem guten Füh­rungs­in­stru­ment dazu. Regel­mä­ßi­ge Wut­aus­brü­che rei­ni­gen die Luft und zei­gen, wer die Che­fin im Haus ist. Das Feed­back, das du dei­nem Team auf die­se Art und Wei­se gibst, wird gut erin­nert und ver­ar­bei­tet, das zeigt die Neuo­wis­sen­schaft. Es för­dert auf lan­ge Sicht die Bezie­hun­gen und die Zusam­men­ar­beit. Und was wäre die Alter­na­ti­ve? Über­legt und sou­ve­rän han­deln? Das kos­tet Selbst­re­fle­xi­on und damit wert­vol­le Zeit. Die ist an ande­rer Stel­le sinn­vol­ler ein­ge­setzt. Dei­ne Emo­tio­nen muss das Team aus­hal­ten kön­nen.

Heute so, morgen anders

Die Wir­kung einer kla­ren Struk­tur und eines ver­läss­li­chen Fahr­plans wird falsch ein­ge­schätzt. Wich­tig ist, dass du stän­dig im Fluss bist. Zie­le und Plä­ne, die du ges­tern noch ver­kün­det hast, sind heu­te über­holt und über­flüs­sig. Dein Team muss es schaf­fen, mit­zu­ge­hen und die unent­weg­ten Kurs­wech­sel kurz­fris­tig mög­lich machen. Alles ande­re setzt Weit­sicht und Pla­nung vor­aus. Die­se Zeit hast du nicht. Die Kraft­ak­te, die die Kurs­wech­sel bis in den Maschi­nen­raum ver­ur­sa­chen, soll­ten ein gutes Team ver­kraf­ten. Wenn dei­nem Team der schnel­le Per­spek­tiv­wech­sel und die Anpas­sun­gen nicht gelingt, dann sind es wirk­lich die fal­schen Mit­ar­bei­ten­den.

Kommunikation ist Zeitverschwendung

Das Aus­ru­fe­zei­chen ist dein wich­tigs­tes Satz­zei­chen. Kei­ne oder weni­ge, kur­ze Sät­ze gehö­ren zu dei­nen Lieb­lin­gen. Fra­gen stel­len und Zuhö­ren wird über­be­wer­tet. Wei­ter so! Was wür­dest du Wich­ti­ges erfah­ren? Eben. Wich­tig für dei­ne Mit­ar­bei­ten­den ist zu wis­sen, wie du die Sache siehst und was du von ihnen willst. Mehr Infor­ma­tio­nen braucht es nicht. Was kann dir der Ein­blick in die Innen­welt Klaus oder Char­lot­te schon wei­ter­hel­fen? Und Bezie­hungs­er­le­ben ist sowie­so unnö­tig.

Schaf­fe Mee­tings ab, wenn sie nicht gut lau­fen und unpro­duk­tiv sind. Dei­ne Mit­ar­bei­ten­den hät­ten sich vor­be­rei­ten, die Fra­gen vor­ab klä­ren, sich wäh­rend des Tref­fens auf das Wesent­li­che kon­zen­trie­ren und die nächs­ten Schrit­te bereits ange­hen kön­nen. Sie sind schuld dar­an, wenn die Sache nicht läuft, da kannst du beru­higt jede Ver­ant­wor­tung von dir wei­sen.

Feedback

Über­flüs­sig.

Bleibe in deiner Rolle diffus

Rol­len­klar­heit? Blei­be bes­ser im Nebel, was dei­ne Funk­tio­nen und Auf­ga­ben betrifft. Mit Klar­heit gehen Erwar­tun­gen ein­her und wer­den Anfor­de­run­gen gestellt. Das macht dich angreif­bar – Unsi­cher­heit auf dei­ner Sei­te hilft dir nicht.

Setze alles auf Performance

Das aller, aller Wich­tigs­te für dich als Füh­rungs­kraft sind die Per­for­mance dei­ner Fir­ma und ihre Außen­wir­kung. Daher lege dei­nen Fokus aus­schließ­lich auf die Leis­tung. Wenn dir dei­ne Mit­ar­bei­ten­den davon­lau­fen, ist das ver­kraft­bar – Kun­din­nen und Kun­den hin­ge­gen nicht. Da du eine genia­le Che­fin bist, wirst du es leicht haben, neue Mit­ar­bei­ten­de zu fin­den. Es spricht sich schließ­lich rum, dass du die Bes­te bist!

Lass für dein gutes Leben arbeiten

Men­schen brau­chen einen Sinn im Leben, auch dei­ne Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter. Sie tun ihre Arbeits­kraft mit Sicher­heit ger­ne in dein gutes Leben inves­tie­ren. Das macht kein Dan­ke­schön not­wen­dig. Fai­re Löh­ne? Erst recht nicht. Sol­len sie erst ein­mal Leis­tung erbrin­gen, das ist in dei­ner Fir­ma doch wun­der­bar mög­lich.

Vertrauen ist wichtig, aber

For­de­re Ver­läss­lich­keit. Wenn du dar­auf ver­trau­en kannst, dass Wor­ten auch Taten fol­gen, gibt dir das die not­wen­di­ge Sicher­heit, die du für dei­ne her­aus­ra­gen­de Arbeit brauchst. Sonst müss­test du jede Toi­let­ten­pau­se kon­trol­lie­ren, das ist ner­vig. Da du der Chef in dei­ner Agen­tur bist, gilt die­se Regel des guten Mit­ein­an­ders für dich nicht. Du kannst die Erwar­tun­gen dei­ner Mit­ar­bei­ten­den wie­der­holt ent­täu­schen, das stört die nicht.

Du hast den Plan

Mit der Über­le­gung, wel­che Din­ge du aus der Hand gibst, musst du vor­sich­tig sein. Auto­no­mie- und Wirk­sam­keits­er­le­ben dei­ner Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern bringt dir nur Ärger. Pass auf, sonst tan­zen sie dir auf der Nase! Und klar ist doch: Nur du hast alle rele­van­ten Infor­ma­tio­nen und triffst die bes­ten Ent­schei­dun­gen.

Wei­ter so und nicht anders.

 

Inspi­ra­ti­ons­quel­le: Paul Watz­la­wicks herr­li­ches Büch­lein „Anlei­tung zum Unglück­lich­sein“​